Die Welt ist aufgewühlt, die Sicht unklar…

von | 06.08.2020

Die Welt ist aufgewühlt und das ist überall spür- und fühlbar, doch was bedeutet das?

Pauschal gesprochen, bedeutet es erstmal, dass wir noch stärker aufgefordert sind uns selbst, unser Tun und unsere Lebensmotive zu hinterfragen, denn jahrzehntelang haben wir uns weitestgehend damit beschäftigt eine materielle Welt im Außen zu erschaffen.

Heute sprechen wir über ökologisches Gleichgewicht, Nachhaltigkeit, Ressourcen schonen etc. und meinen damit unsere Umwelt, unsere Erde, die Wirtschaft und erkennen nicht, das dies selbstverständlich auch für uns selbst gilt.

Der Zustand der Erde ist ein Spiegelbild unseres eigenen … wie im Außen so im Innen!

Gesunde (Bio-)Ernährung ist in aller Munde und vegan oder „zumindest“ vegetarisch die angestrebte Form, auch wenn die angebotenen Ersatzprodukte in diesen Segmenten oft Zusatzstoffe enthalten, deren Namen man kaum aussprechen kann. Nahrungsergänzungsmittel sollen den Extra-Kick geben, dazu Sport, Yoga, ein Meditationsabend, etc. – alles im Eiltempo, schnell nach Feierabend – und oft nur einem erneuten Trend folgend, der die eigene Illusion „etwas zu tun“ aufrecht erhält.

Wir wollen die Erde/Welt wieder ins Gleichgewicht bringen und sind doch bei uns selbst so weit davon entfernt. Wir sprechen darüber mit Ressourcen sorgsamer umzugehen und tun es doch mit unseren eigenen nicht.

Wir spüren das unser Tun über unsere Kraft geht und schleppen uns von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub, ohne zu hinterfragen ob all das für uns selbst überhaupt erfüllend und glücklich machend ist. Wir wollen dazugehören und etwas darstellen und unterwerfen uns so, meist unbewusst, dem Diktat einer Gesellschaft, deren Grundsätze festlegen wer „es geschafft hat und wer nicht, wer dazu gehört und wer durchs Raster fällt“.

Es ist erwiesen das körperliche Symptomatik immer damit zu tun hat, dass wir an irgendeiner Stelle nicht mit uns selbst im Einklang sind, nicht im Sinne unserer Seele, unseres Herzens leben und agieren. In der Regel legen wir erstmal eine weite Strecke unseres Lebens damit zurück, diese kleinen Anzeichen und Impulse unseres Körpers zu ignorieren. Aussagen wie „nur die Harten kommen in den Garten“ spiegeln das so lange ganz gut wider, bis wir plötzlich wirklich unfreiwillig richtig flach liegen.

Passt dazu nicht irgendwie auch der Begriff „Lock-down“?

Wir haben einfach nicht gelernt uns selbst zu fühlen, uns zuzuhören und unsere Bedürfnisse wichtig zu nehmen, geschweige denn, diese auch zu artikulieren. Wie sollen wir in der Lage sein, auf die Hilferufe von Natur und Umwelt zu achten, wenn wir unseren eigenen Rufen keine Beachtung schenken.

Unsere Eltern waren da meistens kein Vorbild, denn oft noch aus der Kriegsgeneration stammend, zumindest aber selbst in einem Elternhaus aufgewachsen, in welchem die Kriegszeit durchaus präsent war, haben sie aufgebaut, geschafft und bis zum Umfallen gearbeitet, um materiellen Wohlstand zu erlangen. Da waren weder Zeit noch Bewusstsein für inneren Ausgleich und Entspannung. Ruhe bedeutete nachts zu schlafen um Kraft zu tanken für das nächste Tageswerk.

Leben hier bedeutet jedoch Dualität, jedes Rechts hat ein Links, jedes Oben ein Unten, jedes Aktiv ein Passiv, jedes Nehmen ein Geben und so gehört zum Schaffen das Ruhen. Das gilt im Großen wie im Kleinen, im Innen wie im Außen.

In den letzten Monaten ist die Welt ein Stück ruhiger gewesen, von Allem war ein bisschen weniger und die Natur hat dankbar reagiert. Wir haben einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie es sein könnte, wenn wir im Außen ruhiger sind.  Natürlich haben sich dadurch Konsequenzen in allen Bereichen ergeben und damit tiefliegende Emotionen wie Angst und Wut an die Oberfläche gebracht.
Diese sind nicht neu, kommen nicht von außen, sondern sind vielmehr ein Teil in uns, den wir bisher nicht anschauen wollten. Auch hier haben wir jetzt die Wahl die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen oder andere dafür verantwortlich zu machen.

Es ist ein Paradoxon, denn der Ruf nach nachhaltiger Veränderung an die Politik, Medizin und Wirtschaft ist laut, doch bezogen auf selbstbestimmte Veränderungen der eigenen Lebensweise eher verhalten.

Kannst Du die Parallele zu Dir und Deinem Körper und der Situation im Außen sehen? Es ist eine ganze Weile gut gegangen dieses über die eigene Kraft hinausgehen und Raubbau mit der eigenen Ressource zu betreiben. Die ersten Anzeichen lassen sich gut ignorieren oder einfach wegreden, doch irgendwann ist der Leidensdruck so groß, dass wegsehen keine Option mehr ist.

Die Anzeichen für eine notwendige Veränderung unserer Lebensweise, unseres Konsumverhaltens und unseres gesamtheitlichen Bewusstseins, sind seit vielen Jahren da, erst leise, dann etwas lauter und schließlich mit einer plötzlichen Vehemenz, die eben zum Stillstand geführt hat.

Einen Moment des Innehaltens, im persönlichen Bereich sowie im Weltgeschehen. Und in beiden Bereichen bleibt auch jetzt jedem Einzelnen noch immer die Wahl: nehme ich die Verantwortung für mein Leben oder gebe ich sie ab an vermeidlich höhere Instanzen wie Staat, Politik, Medizin etc.

Bin ich bereit in meinem Leben ein bisschen mehr der Dualität, die den Ausgleich zu allem fordert zu leben? Was ist für mich wirklich wichtig und wozu? Wo lebe ich einseitig und welche inneren Defizite will ich damit kompensieren, welche Leere füllen, welchen Schmerz nicht fühlen?

Wir haben alle die Möglichkeit unseren Körper zu „lesen“ und uns anzuschauen wo wir nicht in der Balance sind, wo wir mit uns nicht liebevoll umgegangen sind und gegen uns selbst agieren.

Und wir haben alle die Möglichkeit die Symptome der Erde/Natur zu lesen und zu erkennen das sie ein Spiegel für uns sind.

Der Einzelne wird die Balance der Welt nicht herstellen können, stellen wir jedoch die Balance in uns selbst wieder her, kann auch die Welt sich regenerieren.

Was brauchen wir um wirklich, wirklich glücklich zu sein? Was ist Glück für Dich?

Mir ist deutlich geworden, wie sehr ich mich in der Vergangenheit einem Diktat in vielen Lebensbereichen unterworfen habe und auch, dass dies für mich schon lange nicht mehr passte, ich diesem aber dennoch immer wieder gefolgt bin. Es war eine Sehnsucht dazuzugehören – wozu auch immer…

Wenn ich weniger im Außen und Äußerlichkeiten unterwegs bin, folge ich meiner Intuition und meinem Gefühl. Ich höre meine innere Stimme sehr laut, sehr klar und ich folge ihr vertrauensvoll. Das mag für die Menschen in meinem Umfeld manchmal merkwürdig erscheinen, passt es vielleicht auch so gar nicht zu dem Bild, welches sie bisher von mir hatten.

Ein Bild an dem ich „gearbeitet“ habe, um es im außen sichtbar zu machen, um das darzustellen von dem ich glaubte, dass es mir Anerkennung, Liebe, Erfolg etc. bringen würde.

Natürlich weiß auch ich nicht, was die nächste Zeit für mich persönlich und auch insgesamt bringen wird. Veränderung hat jedoch immer etwas mit loslassen zu tun und was jeder in dieser Situation loslassen darf ist individuell.

Loslassen für mich ist totale Akzeptanz dessen, was sich grad in meinem Leben zeigt, die Verantwortung dafür zu übernehmen, alle damit verbundenen Gefühle/Ängste zuzulassen und als meine eigenen anzunehmen.

Etwas Vertrautes geht, Neues ist noch nicht klar erkennbar und doch wissen wir es wird kommen, wenn sich die erste Verwirrung und Unruhe gelegt hat.

Wie in einem Bach, in dem der Sand aufgewirbelt wird und das Wasser trübe macht. Es dauert eine Weile bis das Wasser durch die Fließbewegung den Sand gefiltert hat und dieser sich wieder setzt. Das Wasser ist klarer als vorher und der Sand am Grund des Baches gereinigt, eben und fest.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Wow…was für ein toller Text!!! Hab vielen Dank für die Inspiration und die Denkanstöße! Deine Gedanken kann ich hundertprozentig unterschreiben und finde mich in vielen Aussagen wieder. Das äußere Bild von mir und mein Leistungsgedanke waren mir lange – viel zu lange – die Richtlinien in meinem Leben. Wahrscheinlich ging es mir auch darum, dazu zu gehören…zu was auch immer. Aber auch um mir selbst zu genügen…um ‚gut genug‘ zu sein. Es war ein langer Prozess für mich, anders zu denken und auch vieles zu hinterfragen…oder auch meine körperlichen Signale ernst zu nehmen. Aber jetzt ist es echt…ich bin ich und nicht mehr die Maske, die ich lange getragen habe. Glück bedeutet für mich in Frieden, Liebe und Gesundheit sein…was sich auf sämtliche Lebensbereiche bezieht. Dazu dann gern noch Leichtigkeit und ein bisschen crazy Daisy 😉

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  2. Der Block berührt mich sehr. Es ist so nachvollziehbar, was du schreibst und worauf du hinweist. Auch ich merke, allerdings erst seit kurzer Zeit und derzeit sehr verstärkt, was das Leben, speziell mein Leben, für mich noch bereit hält. Es ist für mich eine schöne Erfahrung, Menschen wie Dich kennengelernt zu haben.

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