Selbst­verantwortung

von | 26.04.2021

Ich bin wieder hier in der Bretagne!

Hier, wohin mein Herz mich im vergangenen Herbst so vehement gezogen hat, ohne dass ich hätte erklären können warum. Als ich Anfang November wegfuhr, wusste ich bereits, dass ich – diesmal mit meinem Freund – im kommenden Frühjahr wieder hier sein dürfte. Die Abfahrt wurde dadurch etwas leichter und dennoch habe ich von dem Moment an die Wochen und später die Tage recht ungeduldig gezählt, bis es in der vergangenen Woche wieder losging.

Mit der Ankunft in der Bretagne verändert sich die Zeitrechnung und orientiert sich nun an den Markttagen in den umliegenden Ortschaften, am Wetter, den Gezeiten und Sonnenauf- und -untergang.

Wir sind jetzt „erst-schon“ eine Woche da und es kommt mir einerseits vor, als seien wir schon ewig hier und andererseits verfliegen die Tage viel zu schnell. Wind, Sonne, der Geruch des Meeres, Salzwasser und Sand an den Füssen – dazu die Freundlichkeit der Bretonen, die eigene Gelassenheit und die Intensität der bewussten Wahrnehmung mit allen Sinnen, sind nährend und erfüllend.

Beim heutigen Morgenspaziergang am Strand, waren meine Gedanken mal wieder bei dem Thema der Selbstverantwortung.
Ich habe schon einige Male darüber geschrieben, denn es ist tatsächlich ein wichtiger Eckpfeiler meines Lebensweges. Lange war es mir nicht bewusst, dass es so ist und doch haben rückenwirkend betrachtet Bücher, Filme, Songtexte etc. zu diesem Thema immer wieder den Weg zu mir gefunden.

Heute weiß ich, weshalb das so war, denn Selbstverantwortung ist ein Lebensthema in meinem Seelenplan: alles was mir im Außen begegnet, hat etwas mit mir tun.

 Das heißt, werde ich belogen, belüge ich mich an irgendeiner Stelle meines Lebens gerade selbst. Als ich meinen Job verlor, hatte ich innerlich schon lange vorher gekündigt, ohne es auszusprechen. Auf meine Bedürfnisse wird keine Rücksicht genommen, heißt für mich, ich schenke mir, meinen Wünschen und Impulsen nicht genug Beachtung. Kurzum, alles was mir begegnet ist ein Spiegel für mich, in dem ich mich erkennen darf.

Diese Aufzählung ließe sich unendlich fortsetzen. Es war ein langer Weg für mich, zu erkennen, dass genau diese Aufgabe mich für den Rest meines Lebens begleiten wird. War es früher eine vage Idee, so hat es sich mit der Kenntnis um meinen Seelenplan als Fakt präsentiert und mir im Nachherein viele, damals durchaus schwierige, Situationen meines Lebens erklärt.

Das ist nicht immer angenehm und oftmals ist es deutlich leichter dem Außen die „Schuld“ an meiner Misere zu geben, als sie in dem eigenen Verhalten zu sehen.

Auch wenn diese Aufgabe für mich eine tatsächlich sehr dominante Rolle in meinem Leben spielt, so ist sie schlussendlich ein Bestandteil eines jeden Lebensweges.

Die vielfach mangelnde Bereitschaft zu Selbstbestimmung und Selbstverantwortung ist in meiner Wahrnehmung der Punkt, der die Menschen unzufrieden macht und durchaus auch zu psychischem und physischem Leid führen kann.

 Wir übergeben die Verantwortung für unser Leben in großen Teilen an Andere, statt uns und unserer Intuition zu vertrauen. Wir fühlen uns als Opfer der Umstände und geben damit unsere Selbstbestimmung ab, denn als Opfer fühle ich mich machtlos und ausgeliefert.

Es gibt hier an einigen Stellen der Küste große Felsformationen, die seit Jahrtausenden vom Atlantik geformt wurden. Einige davon ragen recht hoch aus dem Wasser und genau an diesen sind dicke Kletterseile befestigt. Nirgendwo steht ein Schild, welches das Klettern auf den Felsen verbietet oder zumindest zur Vorsicht ermahnt.

Ich beobachte ein junges Pärchen – sie ist klettererfahren und hat den Felsen schnell erklommen. Er versucht es ihr nach zu tun, wendet sich dann aber dem kleineren Felsen zu, der offenbar mehr seinem Können entspricht. Der Umgang mit dem Kletterfelsen ist in beider Selbstverantwortung, ganz ohne Ermahnung, Einschüchterung und Hinweis wie „Klettern auf eigene Gefahr“.

Mein Gefühl ist, das es für uns natürlich wäre, immer und zu jeder Zeit tief in unserem Inneren zu wissen, was für uns gut ist und was nicht, wo unsere Grenze liegt und was es zu tun oder lassen gilt, meistens ist dieser Zugang zu der eigenen, inneren Weisheit jedoch mit Beginn der Schulzeit weitestgehend verschlossen.

So stehen Schulabgänger nicht selten ratlos an ihrem Start ins Erwachsenenleben, nicht wissend welchen Weg sie einschlagen wollen. Sie haben nicht gelernt Entscheidungen für sich zu treffen, auf ihre Bedürfnisse zu achten, ihre Intuition wahrzunehmen und ihr zu folgen.

Vom Kindergarten bis zum Schulabschluss laufen sie in einem festen Korsett aus Regeln, Leistungsdruck, vorgegebenen Zeiten für den Tagesablauf. Sie sind es gewohnt, dass man ihnen sagt was, wann und wie zu tun ist. Nicht selten ist ihr Terminkalender voller als der mancher Erwachsener. Es bleiben keine großen Freiräume, in denen sie ihrer Fantasie und ihren Gefühlen freien Lauf lassen könnten, um sich selbst kennenzulernen und ihrer inneren Stimme zu folgen. … und wir geben der Schule, dem System etc. „die Schuld“, wenn sie dann scheinbar nur schwer ihren Platz finden.

So drehen wir uns im Kreis immer wiederkehrender Ereignisse, Begegnungen und Situationen und fühlen uns als Opfer eben dieser. Fragen wir uns jemals, weshalb scheinbar nur wir in dieser „…und täglich grüßt das Murmeltier-Schleife“ stecken?

Wir gehen zum Arzt und übergeben ihm in dem Moment die Verantwortung dafür uns gesund zu machen, ohne unser krankmachendes Verhalten zu verändern – doch, was hat diese Krankheit mit uns selbst, mit unserem Lebensstil zu tun, was will sie uns sagen?

Wir sorgen uns um das Klima, die Umweltverschmutzung und schauen dabei auf die Staatsoberhäupter in Erwartung einer Lösung, statt unseren eigenen Umgang mit unserer Umwelt und ihren Ressourcen zu verändern.

Wir bleiben in Jobs, die uns nicht erfüllen, in Partnerschaften aus Gewohnheit, wir arbeiten bis zum „Umfallen“. Wir verschieben unsere Lebenswünsche auf „später“ in der Hoffnung, später die Freiräume dafür zu haben. Wir träumen von einem anderen Leben, folgen aber jahrein-jahraus einem bestimmten Tagesablauf, der Wunsch nach Veränderung ist dabei ein stetiger Begleiter.

Es wird sich Nichts verändern, wenn wir nicht erkennen, dass nur wir selbst die Veränderung in unserem Leben sein können. Unsere derzeitige Lebenssituation spiegelt uns genau, wie wir in den vergangenen Jahren gelebt haben, welche Saat wir durch unser tägliches Tun und Denken für die heutige Ernte gesät haben.

Es scheint fast eine durchgängige Philosophie zu sein, dass wir uns unbewusst dazu entschieden haben, unser Leben in die Hände anderer Menschen zu geben, von denen wir meinen, dass sie besser wissen, was für uns richtig und gut ist. Das ist mir besonders in dieser herausfordernden Zeit im Moment sehr bewusst geworden.

Wir haben die Selbstverantwortung auch in dieser Situation abgegeben, uns selbst nicht vertrauend, dass unsere innere Weisheit uns führen wird. Auch wenn inzwischen offensichtlich wird, wie hoch die Sekundärschäden in allen Bereichen sind, vertrauen wir noch immer auf die Lösung Anderer.

Wir haben nicht gelernt uns selbst, unseren Impulsen, zu vertrauen. Ich weiß, dass Intuition immer Recht hat, nie falsch ist für den der sie in sich grad spürt. Sie mag für uns selbst und unser Umfeld unlogisch erscheinen, sie mag von außen betrachtet sogar verrückt sein, für uns ist sie jedoch der Wegweiser, das Barometer, die Ampel, der Wasserstandsanzeiger, der Lifeguard.

Es ist zu Anfang ungewohnt diese Intuition wahrzunehmen, diese ersten, maximal vier Sekunden in der sie sich in einer Situation, bei einer Begegnung etc. zeigt, bevor der logische Verstand einsetzt. Traust Du Dich ihr bedingungslos zu folgen?

Was tust du, wenn Deine Intuition, Dein Gefühl Dir sagt was jetzt gut für Dich wäre, das aber unvernünftig und unlogisch ist?

Merkst Du, wie es für einen kurzen Moment sehnsuchtsvoll in Deinem Bauch kribbelt… und dann setzen der logische Verstand sowie Bedenken und Angst ein und statt des eben noch freudvollen Kribbelns im Bauch, macht sich in Sekunden eine Schwere bemerkbar.

 Wie oft sagst Du JA zu Anderen, einer Situation und damit ein NEIN zu Dir?

Ist Dir bewusst, dass Du damit die Selbstverantwortung und Selbstbestimmung für Dein Leben abgibst?

Folge ich meiner Intuition, übernehme ich die Verantwortung für mich und meinen Lebensweg und das durchaus entgegen aller Vernunft und Logik.

Und so sitze ich wieder hier in der Bretagne, wohin meine Intuition mich im letzten Jahr geführt hat. Eine Entscheidung, die ich damals, entgegen jeglicher Vernunft, getroffen habe und die auch in diesem Jahr, auf Grund der besonderen Umstände, rein intuitive war.

Wir haben sie diesmal beide getroffen, wofür ich besonders dankbar bin.

Ich wünsche Dir von Herzen ganz laute Ja’s zu den kribbelnden Momenten Deines Lebensweges.

PS Fühlst Du Dich von dem Thema tief angesprochen, dann ist es vielleicht auch einer Deiner Eckpfeiler aus Deinem Seelenplan. Hast Du Interesse Deine Talente, Lebenswege und Aufgaben sowie deren Lösungswege für dein Leben kennenzulernen?

Schreib mir gern eine Nachricht: kontakt@susanne-evers.de

1 Kommentar

  1. Liebe Susanne, was für eine Reise durch dein Leben.
    Danke für deine Offenheit. Und wie wahr sind deine Erkenntnisse, diese wünsche ich auch deinen Leser*innen.

    Antworten

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